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Bereicherung für alle Seiten

Spezielle Kurse für Ärzte aus Drittstaaten zur Vorbereitung auf die ärztliche Tätigkeit in Schleswig-Holstein.

Das maxQ. im Berufsfortbildungswerk (bfw) bietet seit Anfang 2017 einen achtmonatigen Kurs an, um Ärzten aus Drittstaaten die Fachsprachen und Kenntnisprüfung zu erleichtern. Dank der großen Hilfe vieler Beteiligter konnte ein effizientes, zukunftsorientiertes Projekt realisiert werden. Die Integration der Ärzte aus Drittstaaten ist eine interkollegiale Verantwortung und kann eine weitere Maßnahme im  Kampf gegen den Fachkräftemangel im deutschen Gesundheitswesen sein.

Ärzte aus Drittstaaten erhalten in Deutschland erst eine Approbation, wenn die Gleichwertigkeit ihrer medizinischen Ausbildung nachgewiesen wird. Die Universitätsausbildungen einiger Länder werden in Deutschland direkt anerkannt, meistens ist aber eine Kenntnisprüfung notwendig, die von der Ärztekammer Schleswig-Holstein im Auftrag des Landesamtes organisiert und durchgeführt wird.  Zeichnet sich anhand der Ausbildungsnachweise aus dem Drittland die Notwendigkeit einer Kenntnisprüfung ab, stellt das Landesamt in der Regel eine vorläufige Berufserlaubnis nach § 10 der Bundesärzteordnung mit einer Gültigkeit von 18 Monaten aus. Diese ist einmalig um ein weiteres halbes Jahr verlängerbar. Die Gesundheitsministerkonferenz hat 2014 die Anforderungen an die Sprachkenntnisse angehoben und fordert zur Ausstellung der vorläufigen Berufserlaubnis Fachsprachkenntnisse auf C1-Niveau.

Einige Kollegen finden eine Anstellung, können mit vorläufiger Berufserlaubnis tätig werden und Erfahrungen im deutschen Gesundheitssystem sammeln. Allerdings werden sie überwiegend zur Beherrschung des Versorgungsalltags eingesetzt. Das hat Vorteile, da sie das System im Realbetrieb kennenlernen, aber auch den Nachteil, dass eine gezielte Vorbereitung auf die Kenntnisprüfung kaum erfolgen kann. Vorausgesetzt wird darin übrigens das Wissensniveau eines Prüfungskandidaten nach Abschluss des Studiums der Humanmedizin in Deutschland (sog. drittes Staatsexamen). Eine gezielte Sprachförderung findet parallel zu dieser Tätigkeit nur selten statt. Insgesamt bestehen über 40 Prozent der Prüflinge die Kenntnisprüfung nicht auf Anhieb. Hinzu kommt, dass die Wartezeit auf einen Prüfungstermin aufgrund der temporär stark gestiegenen Zahl an Kandidaten derzeit ca. anderthalb Jahre beträgt. Bemühungen, weitere Termine zu schaffen, scheiterten bislang am enormen Organisationsaufwand und den Ressourcen der Beteiligten.

Ziel des Bildungsträgers maxQ. im bfw – Unternehmen für Bildung war es, hier eine echte Hilfestellung zu geben. In einem acht Monate dauernden Vollzeitkurs durchlaufen die Ärzte ein Sprachmodul, ein medizinisches Repetitorium und eine praktische Phase und schließen mit einem 14-tägigen Kurs zur Wiederholung wesentlicher Inhalte ab. Der Kurs ist gemäß AZAV (Akkreditierungs und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung) zertifiziert, eine Finanzierung über einen Bildungsgutschein des Jobcenters oder das Bundesamt ist möglich. Im Sprachmodul unterrichten DaZ Lehrkräfte (Deutsch als Zweitsprache) mit medizinischer Vorbildung und bereiten die Teilnehmer auf die Prüfung C1 Fachsprache Medizin vor. Die hier im Land für die Fachsprachprüfung zuständige Ärztekammer Schleswig-Holstein hat vor zwei Jahren aufgrund der damals überschaubaren Anzahl der Prüflinge bei gleichwohl erheblichen fachlichen Ansprüchen an die Prüfung eine Zusammenarbeit mit der benachbarten Ärztekammer Mecklenburg-Vorpommern beschlossen, die in dieser Hinsicht vorbildlich aufgestellt war und ist. Dafür mussten die Prüflinge nach Rostock fahren. In Kooperation mit dem Landesverband der Volkshochschule kann diese Prüfung von einer Sprachprüferin und einem Arzt direkt im Rahmen des Kurses vor Ort abgenommen werden.

Die Lehrgangsverantwortliche Katharina Deutsch zeigte sich mit dem ersten Kurs dieser Art stolz auf ihre Teilnehmer: Die erste Prüfung haben 13 von 16, die zweite acht von zehn bestanden. Insgesamt
können sich maximal 25 Ärzte einschreiben; im ersten Durchgang war ein Großteil von ihnen aus Syrien. Weitere Herkunftsländer sind u. a. Afghanistan, Usbekistan und Moldawien. Ein zweiter
Kurs startete im Juni, ein weiterer ist für Ende 2017 geplant – der Bedarf erscheint weiterhin groß.

Die Ärztekammer hat Kontakte zu Dozenten unterschiedlichster Fachgebiete hergestellt. Inzwischen hat Deutsch ein hochkarätiges Dozententeam bei maxQ aus Universitätsprofessoren, niedergelassenen Kollegen, Mitarbeitern der Ärztekammer sowie einer Expertin für Hygiene zusammengestellt. Hauptmotiv aller ist die Überzeugung, ein sinnvolles, zukunftsweisendes Projekt zu unterstützen. Der Austausch mit den interessierten ausländischen Kollegen wird als Bereicherung empfunden. Auf das medizintheoretische Modul folgt ein 13-wöchiges Praktikum. Auch die Vermittlung von 25 Ärzten in ein Praktikum war eine Herausforderung. Erste Kooperationen wurden geschlossen. Ein Netz von Partnerkliniken in ganz Schleswig-Holstein ist geplant, weitere interessierte Dozenten sind willkommen. Obwohl der erste Kurs noch bis September läuft, haben schon drei Ärzte eine dauerhafte Anstellung gefunden. Im Juli hat der erste syrische Arzt des Kurses erfolgreich die Kenntnisprüfung absolviert. Regelmäßig helfen Ärzte des Kurses als Dolmetscher in Kliniken und Praxen aus. „Unser Kurs macht den Ärzten Mut und bringt sie auf ihrem Weg ein großes Stück voran. Für alle Beteiligten ist das natürlich auch mit viel Arbeit verbunden. Doch am Ende wird es sich für alle lohnen, für in- und ausländische Ärzte, insbesondere aber für unsere Patienten“, sagte Deutsch.

Dr. Carsten Leffmann, Ärztekammer Schleswig-Holstein
(Original-Artikel erschienen im Schleswig-Holsteinisches Ärzteblatt 09/2017, S. 16/17)