Integration durch Ausbildung - Altenpflegehilfe für Migrantinnen/Migranten

Integration durch Ausbildung - Altenpflegehilfe für Migrantinnen/Migranten

Interview mit Schülerin und Schülern der Altenpflegehilfe für Migrantinnen/Migranten

Die Fachschule für Altenpflegehilfe für Migrantinnen / Migranten im maxQ. Karlsruhe startete im Oktober 2016 mit dem ersten Kurs Altenpflegehilfe für Migrantinnen / Migranten, mittlerweile hat  bereits der 7. Kurs gestartet, mit 23 Schülern / Schülerinnen. Die Ausbildung dauert statt sonst einem Jahr zwei Jahre, im ersten Ausbildungsjahr steht schwerpunktmäßig Deutschunterricht auf dem Programm. Alle Schülerinnen und Schüler haben einen praktischen Ausbildungsplatz in der ambulanten oder stationären Pflege in und um Karlsruhe. Der Einstieg in die Ausbildung ist niedrigschwellig: Ein Schulabschluss ist nicht zwingend notwendig, der Hauptschulabschluss wird im Rahmen der Ausbildung erworben.
Auch mit der Einführung der generalistischen Ausbildung 2020 wird die Altenpflegehilfsausbildung für Migrantinnen und Migranten weiter angeboten. Die Ausbildung wird an allen Pflegeschulen von maxQ. in Baden-Württemberg angeboten - Karlsruhe, Stuttgart und Heidelberg - und beginnt immer am 1. April und 1. Oktober.

Bedeutung der Ausbildung für die Integration von Migratinnen und Migranten

Die wichtigsten Punkte haben wir für Sie zusammengefasst. Das ausführliche Interview mit  G. Calin, K. Yousafzai und S. Diallo können Sie hier nachlesen*.

So unterschiedlich die Lebensgeschichten, beruflichen und schulischen Erfahrungen der Interviewten sind, gibt es auch einige Parallelen. Alle betonten ihre anfänglichen Bedenken, eine Ausbildung in fremder Sprache zu beginnen und wie wichtig der Sprachunterricht für sie ist. „Am Anfang konnte niemand in unserem Kurs einen Satz auf Deutsch sprechen“, so G. Calin, „Durch den vielen Deutschunterricht im ersten Jahr und die praktische Ausbildung, wo wir nur Deutsch hören und sprechen, haben sich bei allen die Deutschkenntnisse wirklich sehr verbessert. Nach zwei Jahren können wir mit einer „normalen“ Ausbildung weitermachen, auch wenn wir sicher viel lernen müssen“. 

Weitere Parallele ist der anfängliche Schock bei allen Interviewten über die oft einsame Lebenssituation pflegebedürftiger Menschen in Deutschland. „In Pakistan werden nicht so viele Menschen so alt wie in Deutschland, deshalb gibt es dort auch nicht viele Demenzkranke. Alte Menschen werden praktisch nur zu Hause von der Familie gepflegt und sind nicht alleine in einem Heim“, sagt K. Yousafzai. Auch S. Diallo bereitete die Erfahrung während seines Praktikums zunächst schlaflose Nächte. Den Respekt und die Hilfsbereitschaft, den sie aus ihrer Heimat Alten gegenüber gewohnt sind, bringen sie in die Arbeit in der Pflege ganz bewusst ein.

„Die bewusste Entscheidung für eine sehr verantwortungsvolle Arbeit, großes Engagement in den anspruchsvollen Lernsituationen, der Wille, sich zu integrieren und durch die Arbeit in der Altenpflege eine sichere Perspektive in Deutschland zu erlangen, ist den Interviewten und dem allergrößten Teil der Auszubildenden in unseren Klassen gemeinsam.“, sagt Kristina Glesing, Leiterin der Schule für Altenpflegehilfe für Migrantinnen / Migranten. „Klar ist, dass die Schülerinnen und Schüler, die Einrichtungen und Pflegebedürftigen, ebenso wie letztendlich die Gesellschaft von diesem speziellen Ausbildungsmodell profitieren. Auch wenn sich die rechtliche Lage Ende 2018 in Baden-Württemberg bereits verbessert hat und Abschiebungen während einer Ausbildung nicht mehr erfolgen sollen, würden wir uns mehr Klarheit im Fall von noch unentschiedenen Asylverfahren wünschen. Für die Geflüchteten, die einen nicht unerheblichen Teil in den Klassen ausmachen,  sind schwebende Asylverfahren während der schwierigen Ausbildung sehr belastend. Und natürlich wünschen sich auch die Ausbildungsbetriebe mehr Sicherheit für ihre Personalplanung.“

 

*maxQ. Karlsruhe hat in einem Interview drei Auszubildende aus den aktuellen Klassen, bzw. der kurz nach dem Interview abgeschlossenen Klasse befragt.

S. Diallo aus Gambia, am Ende des 1. Jahres der Ausbildung, lebt seit 2013 in Deutschland, nachdem er zuvor bereits in mehreren europäischen Ländern gelebt hat. Sein Asylverfahren ist noch immer nicht abgeschlossen, seine drohende Abschiebung konnte im Jahr 2018 durch den Ausbildungsstart zunächst verhindert werden. Für ihn ist die Ausbildung die letzte Chance für einen Aufenthalt in Deutschland. Lesen und Schreiben hat er fast ausschließlich kurz vor und während seiner Ausbildung erlernt. Fast jeden Tag kann er mit einer ehrenamtlichen pensionierten Lehrerin lernen und üben, so dass er das erste Jahr und den Abschluss B1 erfolgreich absolviert hat. Sein Arbeitsgeber möchte ihn aufgrund seiner sehr guten Leistungen nach der Altenpflegehelferausbildung für die 3-jährige Ausbildung in Altenpflege übernehmen. Der Arbeitgeber, die Schule und natürlich vor allem Herr Diallo hoffen auf eine Aufenthaltsgenehmigung,

Frau Calin aus Rumänien und Herr Yousafzai aus Pakistan standen beim Interview kurz vor Abschluss ihrer Ausbildung. Beide haben die Prüfungen mittlerweile erfolgreich abgelegt und die weiterführenden Ausbildungen begonnen. Frau Calin als EU-Bürgerin hat durch die Ausbildung vor allem sprachlich und beruflich schnell Anschluss gefunden. Herr Yousafzai, der ebenfalls eine lange Fluchtgeschichte erlebt hat, ist durch seine derzeitige Krankenpflegeausbildung beruflich ebenfalls bestens integriert, bangt aber, wie Herr Diallo, noch um seine Aufenthaltsgenehmigung. Er hofft, eines Tages seine Ehefrau und drei Töchter nach Deutschland holen zu können.

 

Die Schülerin und Schüler mit Schulleiterin Kristina Glesing

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